Das Seismometer wird im Bohrloch versiegelt, die P-Wellen-Sonde misst alle 0,5 Meter die Scherwellengeschwindigkeit. In Sindelfingen kommt meist ein Triaxial-Geophon-Array zum Einsatz, das wir mit einem Kleinraupengerät in den weichen Talfüllungen des Schwippe-Einzugsgebiets abteufen. Die Messkette zeichnet 2000 Samples pro Sekunde auf – genug, um feinste Geschwindigkeitskontraste im Quartär zu erkennen. Vor jeder Messung kalibrieren wir die Trigger-Einheit mit einem Impulshammer, dessen Schlagenergie exakt 8,3 Joule beträgt. Die Daten gehen direkt in ein CYCLIC-1D-Modell, das den Porenwasserdruckaufbau unter einem Bemessungsbeben nach DIN EN 1998-5 simuliert. In den Auelehmen entlang der Klosterstraße sehen wir oft VS30-Werte unter 180 m/s, was nach EC8 in die Baugrundklasse C fällt – ein klarer Indikator für setzungsempfindliche Horizonte. Unsere Ingenieure kombinieren die seismische Feldmessung mit Labor-Rahmenscherversuchen an ungestörten Sonderproben und ermitteln den zyklischen Widerstand direkt aus dem Spannungs-Dehnungsverhalten. Für tiefere Einschätzungen ergänzen wir das Profil mit einer seismischen Mikrozonierung, wenn das Baufeld nahe der Goldberg-Gneis-Grenze liegt.
In den Auelehmen Sindelfingens sehen wir VS30-Werte unter 180 m/s – eine klare Zuordnung zur Baugrundklasse C mit erhöhtem Setzungsrisiko unter zyklischer Belastung.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Auf 448 Metern Höhe, mit über 64.000 Einwohnern und einer der höchsten Arbeitsplatzdichten Baden-Württembergs, liegt Sindelfingen in der Erdbebenzone 1 nach DIN EN 1998-1/NA. Der Bemessungswert der Bodenbeschleunigung agR beträgt 0,4 m/s² – was viele Bauherren unterschätzen. Der letzte relevante Erdbebenschwarm auf der Albstadt-Scherzone im Jahr 1978 erreichte Magnitude 5,7 und war in Sindelfingen als Intensität IV spürbar. Die wirkliche Gefahr liegt nicht in Bauwerksschäden durch Trägheitskräfte, sondern in der verflüssigungsbedingten Setzung flach gegründeter Hallen. Ein Porenwasserdruckanstieg in den Schwippe-Sanden unter dem Mercedes-Benz-Werk könnte Setzungen von 8 bis 15 Zentimetern auslösen – genug, um Kranbahnen zu verziehen und Sprinklerleitungen abzureißen. Unsere Analyse quantifiziert dieses Schadenspotenzial mit einem LSN-Schadensindex (Liquefaction Severity Number), den wir für jedes Rasterfeld des Baufelds kartieren. Die Ergebnisse fließen direkt in die Gründungsempfehlung ein: ob eine Bodenverbesserung mit Rüttelverdichtung oder eine Tiefgründung auf Pfähle wirtschaftlicher ist.
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Geltende Normen
DIN EN 1998-5:2010-12 – Gründungen, Stützbauwerke und geotechnische Aspekte, DIN EN 1998-1/NA:2021-07 – Nationaler Anhang Erdbebenzonenkarte, DIN 18137-3 – Versuchstechnik, Triaxialversuch unter zyklischer Belastung, ASTM D8298-20 – Standard Test Method for Evaluation of Liquefaction Triggering
Zugehörige Fachleistungen
Screening nach DIN EN 1998-5
Ersteinstufung des Baugrunds anhand von 4 CPT-Sondierungen und Korngrößenanalysen. Ermittlung der Verflüssigungsanfälligkeit nach den Grenzkurven der Norm. Ergebnis: Ausschluss- oder Bestätigungsbefund mit qualitativer Risikostufe.
Quantitative CRR-CSR-Analyse
Vollständige zyklische Berechnung mit CSRLIQ-bezogenem Sicherheitsfaktor pro Schicht. Inklusive zyklischer Triaxialversuche an 6 ungestörten Proben und Bestimmung der post-liquefaction Setzungen nach Ishihara. Geeignet für Hallen- und Brückengründungen.
LSN-Kartierung für Bebauungspläne
Flächenhafte Kartierung des Verflüssigungsschadensindex über das gesamte Plangebiet. Rasterweite 25 Meter, Ergebnis als GIS-Layer mit LSN-Isolinien. Dient als Planungsgrundlage für die Bauleitplanung und die Festlegung von Gründungszonen.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Ist in Sindelfingen überhaupt mit Bodenverflüssigung zu rechnen?
Ja, in den Auelehmen und jungen Talfüllungen der Schwippe. Die Erdbebenzone 1 mit agR = 0,4 m/s² bedeutet zwar geringe Trägheitskräfte, aber die locker gelagerten Sandlinsen in 4-7 m Tiefe zeigen bei unseren CPT-Messungen oft Spitzenwiderstände unter 5 MPa. Nach dem Verfahren von Robertson & Wride ist das ein klares Indiz für Verflüssigungspotenzial bei einem 475-Jahre-Beben.
Was kostet eine Bodenverflüssigungsanalyse für ein Einfamilienhaus?
Für ein typisches Einfamilienhausgrundstück in Sindelfingen liegen die Kosten je nach Untersuchungsumfang zwischen €2.140 und €4.120. Das Screening nach EC8 mit 2 CPT und Laborversuchen beginnt bei €2.140, eine vollständige quantitative Analyse mit zyklischen Triaxialversuchen liegt bei etwa €4.120. Der genaue Preis hängt von der Grundstücksgröße und der Tiefe der verflüssigungsrelevanten Schichten ab.
Welche Bodenkennwerte sind für die Verflüssigungsbeurteilung entscheidend?
Die drei kritischen Parameter sind der CPT-Spitzenwiderstand qc, der Reibungsverhältnis Rf und die Kornverteilungskurve. Wir bestimmen daraus den Ungleichförmigkeitsgrad Cu, den Feinanteil FC und den normierten Spitzenwiderstand Qtn. Diese gehen in die CRR-Berechnung ein. Entscheidend ist auch die Lagerungsdichte: Ein lockerer Sand mit Dr < 35% verflüssigt bei CSR-Werten ab 0,2.
Wie lange dauert eine Verflüssigungsanalyse vom Feldversuch bis zum Bericht?
Die Feldarbeit mit CPT-Sondierung und MASW-Messung dauert 1-2 Tage. Die Laborversuche – zyklische Triaxialtests und Sieblinien – benötigen etwa 3 Wochen, weil die Proben unter Sättigung konsolidiert werden müssen. Der Bericht mit CRR-CSR-Berechnung und LSN-Kartierung liegt 4 Wochen nach Feldabschluss vor. Bei dringenden Projekten bieten wir eine Vorab-Stellungnahme nach 2 Wochen an.
