Die Normenreihe DIN EN ISO 17892-4 bildet das methodische Rückgrat, sobald in Sindelfingen ein Baugrundgutachten die Korngrößenverteilung fordert. Auf den ersten Blick wirkt das Verfahren standardisiert – doch das lokale Bodenprofil ist es nicht. Das Stadtgebiet erstreckt sich über Gipskeuper, Lettenkeuper und quartäre Lösslehmschleier. Genau darin liegt die Herausforderung: Ein und dieselbe Sieblinie kann je nach Entnahmestelle unterschiedliche bodenmechanische Konsequenzen haben. Deshalb verbinden wir im Labor die klassische Nass- und Trockensiebung mit der Aräometerschlämmanalyse. So entsteht eine vollständige Summenkurve, die den Feinkornanteil präzise abbildet – unverzichtbar für die Frostempfindlichkeitsklassifikation und die Beurteilung der hydraulischen Eigenschaften des Untergrunds.
Die Sieblinie allein ist noch kein Bodengutachten – doch ohne sie fehlt dem Gutachten das Fundament.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Der Kontrast zwischen den Hanglagen am Goldberg und der Niederung um den Klostersee zeigt, wie relevant die Korngrößenanalyse für die lokale Baupraxis ist. Am Hang dominieren feinsandige Schluffe mit hohem Kapillarvermögen – frostanfällig und saisonal quellfähig. In Seenähe treffen wir dagegen auf holozäne Auelehme mit organischen Einschlüssen und ausgeprägter Ungleichförmigkeit. Wer hier ohne Sieblinie bemisst, riskiert Setzungsdifferenzen, die sich schon nach zwei Wintern als Risse in der Bodenplatte zeigen. Gerade bei der Versickerungsbemessung nach DWA-A 138 ist die Kornsummenkurve die zentrale Eingangsgröße. Ein zu grob abgeschätzter kf-Wert führt zu unterdimensionierten Rigolen, ein zu fein eingestufter Boden zu unnötigem Austausch. Unsere Erfahrung in Sindelfingen zeigt: Die Kombination aus Siebung und Aräometer liefert die belastbare Grundlage, um beide Extreme sicher auszuschließen.
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Geltende Normen
DIN EN ISO 17892-4:2017 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Laborversuche an Bodenproben – Teil 4: Bestimmung der Korngrößenverteilung, DIN 18123:2011-04 – Baugrund, Untersuchung von Bodenproben – Bestimmung der Korngrößenverteilung, ZTVE-StB 17 – Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Erdarbeiten im Straßenbau
Zugehörige Fachleistungen
Kombinierte Sieb- und Schlämmanalyse
Vollständige Summenkurve von 63 mm bis 0,001 mm inklusive Nasssiebung und Aräometerversuch für bindige Böden.
Frostsicherheitsbewertung
Klassifikation nach ZTVE-StB in die Kategorien F1, F2 oder F3 auf Basis der Kornverteilung und des Feinanteils.
Durchlässigkeitsabschätzung
Richtwert-Ermittlung des kf-Werts nach Hazen, Beyer oder Kaubisch aus der Kornsummenkurve für Versickerungsanlagen.
Bodenklassifikation
Einstufung nach DIN 18196 inklusive Benennung, Gruppensymbol und Beschreibung des Feinkornanteils.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Reicht eine reine Trockensiebung für den Baugrund in Sindelfingen aus?
Nur wenn der Boden augenscheinlich keinen nennenswerten Schluff- oder Tonanteil aufweist. In der Praxis ist das bei den hiesigen Keuperverwitterungsböden und Lösslehmen fast nie der Fall. Sobald Feinkorn unter 0,063 mm vorhanden ist, schreibt die DIN EN ISO 17892-4 die Kombination mit dem Aräometerverfahren vor, um den gesamten Feinbereich zuverlässig zu erfassen.
Wie lange dauert eine vollständige Korngrößenanalyse mit Aräometer?
Die reine Siebung lässt sich innerhalb eines Arbeitstages durchführen. Die Aräometerschlämmanalyse benötigt zusätzlich etwa zwei bis drei Werktage, da sich die Sedimentationsphasen über mehrere Stunden erstrecken und die Temperaturkonstanz im Wasserbad gewährleistet sein muss.
Mit welchen Kosten muss ich für eine Korngrößenanalyse rechnen?
Für eine kombinierte Sieb- und Aräometeranalyse liegen die Kosten je nach Probenaufbereitung und Größtkorn im Bereich von rund 90 bis 190 Euro. Der genaue Betrag richtet sich nach dem Feinanteil und ob eine Vorzerkleinerung bindiger Aggregate nötig wird.
Welche Probenmenge wird für die Analyse benötigt?
Das hängt vom Größtkorn ab. Bei Sanden und Schluffen reichen üblicherweise 1,5 bis 3 Kilogramm. Enthält die Probe Kies oder Steine, erhöht sich die erforderliche Menge auf 5 bis 10 Kilogramm, damit die Kornverteilung statistisch repräsentativ bleibt. Mehr Info.
